Zeichnen in der Kunstgeschichte

Bei der Kunstgeschichte denkt man eher in seltenen Fällen als erstes an die Kunst des Zeichnens. Vielmehr kommen einem Gemälde, Skulpturen oder auch alte Architekturen in den Sinn. Fängt man jedoch an, sich etwas genauer mit der Geschichte zu beschäftigen merkt man, dass einige sehr bekannte Kunstwerke, zum Beispiel Leonardo da Vinci’s „Vitruvmann“, Zeichnungen sind.

Die ältesten Zeichnungen sind Felszeichnungen, die auf ca. 36.000 vor Christus geschätzt werden. Auch dutzende Höhlenmalereien, wenn sie auch als „Malereien“ bezeichnet werden, sind in Wirklichkeit Zeichnungen. Spätere Funde kommen aus dem alten Ägypten, wie so oft in der Kunstgeschichte. Diese Zeichnungen der Ägypter wurden ca. 3000 vor Christus erstellt. Die Ägypter haben außerdem viele Entwurfszeichnungen erstellt, auf sogenannten „Kalkstein-Scherben“ wovon auch bis heute noch einige erhalten geblieben sind.

Ungefähr 1000 vor Christus ist ein wichtiges Trägermedium für die Zeichnung, welche es zu dieser Zeit formell so immer noch nicht gab, dazu gekommen und zwar die Gebrauchskeramik. Ein Beispiel für diese Keramik sind griechische Tonvasen.

Machen wir einen nächsten Sprung ins Mittelalter kommen wir der heute gebräuchlichen Form von Zeichnungen bereits näher. Zeichnungen wurden in dieser Zeit für gewöhnlich als Entwürfe für andere Kunstformen wie der Architektur oder der Malerei gemacht. Hauptsächlich wurde gezeichnet, sowie gemalt auf Pergament, welches ein teures und aufwendig hergestelltes Material aus Tierhaut ist. Diese Materialien waren teuer, was die Benutzung unwahrscheinlicher machte und einschränkte.

Die Wende und Revolution der Zeichenkunst kam dann mit der Erfindung und Verbreitung des billigen Papiers. Endlich fand auch das Zeichnen seinen eigenen Platz auf der Tribüne der Kunstformen zugeschrieben. Künstler bemühten sich von der Neuzeit bzw. Renaissance an, das Zeichnen professionell zu erlernen und Techniken auszuprägen. Zeichnungen werden außerdem angefangen zu sammeln wodurch uns auch heute noch so viele alte Zeichnungen dieser Zeit erhalten geblieben sind. Zeichenmaterialien dieser Zeit waren weiße Kreiden, Silberstift, Kohle und Rötel aber auch Pinsel, Feder und Tinte. Besonders in Italien gewinnt das zeichnen an Popularität und wird sogar das bevorzugte Medium für Studien.

In der Moderne blüht die Zeichnung ab Ende des 19. Jahrhunderts dann vollständig auf, es gibt unzählige Freiheiten und auch, durch beispielsweise Aquarellfarben, vermischt sich die Zeichnung und die Malerei immer weiter. Ein berühmtes Beispiel für dieses Verschwimmen von Kunstformen ist Pablo Picasso, bei dem kaum mehr gesagt werden kann ob seine Werke Zeichnungen oder Gemälde waren. Er setzte klare Linien und Formen ein, jedoch nutze er Farben und teilweise auch Techniken der Malerei.

Zeichnungen aus Ostasien

Die gesamte angeführte Kunstgeschichte stammt hauptsächlich aus Europa. Natürlich gab es auch in anderen Regionen der Erde Formen der uns bekannten Zeichnungen. In Ostasien zum Beispiel lohnt es sich, sich in Bezug auf die Zeichenkunst mit ihrer Tuschmalerei, welche aus der chinesischen Kalligrafie entstand, zu beschäftigen. Zwar kann man diese nicht genau in unsere strikten bzw. klassischen Regeln der Zeichnung einführen, doch gab es diese Form des Zeichnens bereits seit dem 6. Jahrhundert.

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